Der folgende schöne Bericht stammt von Britta Leib. Er ist als auch als PDF-Datei beigefügt.

Deutsche Frauenblitzeinzelmeisterschaft 2013
Marta Michna – Deutsche Vizemeisterin

Bei der LEM im Blitzschach am Karfreitag d.J. konnte ich mir in der separat ausgetragenen
Frauenrunde unter 6 Teilnehmerinnen den Sieg sichern. Damit war ich für die Deutsche qualifiziert.
Diese fand erstmalig in Berlin statt, wobei es für Berlin als Ausrichter sogar die erste Deutsche
Fraueneinzelmeisterschaft überhaupt war. Also mal nicht so weit fahren, das war doch nett!
Da es wieder ein paar Freiplätze gab, ging auch noch Marta Michna vom SK Norderstedt an den
Start. Damit hatten wir ein heißes Eisen im Rennen. An der Spitze des Teilnehmerinnenfeldes stand
keine Geringere als die deutsche Nummer 1: IM Elisabeth Pähtz. Mit 12 Titelträgerinnen (50%!)
war das Turnier auch so gut wie noch nie besetzt. Dieses hohe Turnierniveau war vor allem ein
Verdienst einer sehr engagierten Stefanie Schulz, die Anfang des Jahres als Stellvertreterin des
Frauenreferenten (verantwortlich für die Ausrichtung der Deutschen Blitz- und
Schnellschacheinzelmeisterschaften) frischen Wind in das deutsche Frauenschach bringt.
Ich hatte die Startnummer 22; es drohte also Kloppe vom Feinsten! Aber nach dem Motto

 “Bange
machen, gilt nicht“ machte ich mich schon am Vorabend auf den Weg nach Berlin in Begleitung
meiner Tochter.


Gastgeber der Meisterschaft war der SC Schwarz-Weiß Lichtenrade, ein Verein, der 1998 noch in
der 2. Bundesliga vertreten war. Nach dem Weggang eines Mäzen gingen viele gute Spieler weg
und man überlegte sogar schon, den Verein aufzulösen. Heute, nach 18 Jahren, ist man mit 60
Mitgliedern wieder gut aufgestellt und z.B. durch das Open “Lichtenrader Herbst“
(Turnierausschreibung in 9 Sprachen!) auch überregional gut bekannt. Der Vorstand des Vereins,
bestehend aus 14 Spielern (!), tagt monatlich, um den Verein mit neuen Ideen weiter voran zu
bringen.

Die Berliner waren denn auch sehr gute Gastgeber und toppten das sehr gute Niveau des Vorjahres
beim Hamburger SK noch ein bisschen. Es gab für alle Teilnehmerinnen mit der Auslosung eine
Tüte mit diversen Nettigkeiten. Das Angebot der Kinderbetreuung entfiel im Wesentlichen, da
meine Tochter das einzige mitgereiste Kind war. So wurde ihr an den beiden Tagen eine intensive
Einzelbetreuung zuteil. Während der Runden wurden immer wieder Getränke und Obst nachgefüllt.
Im Spielsaal waren die Tische in angenehm lockerer Atmosphäre angeordnet. Das ca. 4 km
entfernte Hotel Alpinia bot angenehmen Komfort. Die zwischenzeitliche nächtliche Ruhestörung
durch laute Musik entpuppte sich am nächsten Morgen als „erweiterte Schachveranstaltung“. Es
war die Hochzeitsfeier eines Cousins von Heike Germann, einer in der Schachszene sehr gut
bekannten Spielerin.

Es wurde an beiden Tagen ein Rundensystem gespielt, also 2 Mal 23 Runden, ein straffes
Programm. Nach jeweils 8, weiteren 8 und nochmal 7 Runden gab es eine kleine Pause. Nach der
Hinrunde stand ich mit 9½ Punkten da. Das war schon viel mehr, als ich erwartet hatte. Die Tabelle
wurde von Elli angeführt, die sich nach der unerwarteten Niederlage gegen Brigitte Große-
Honebrink aus Berlin schnell erholte, mit 2 ½ Punkten Abstand vor Marta, die lange an der Spitze
lag. Knapp dahinter folgte Tatjana Melamed. Am 2. Tag zog Elli einsam ihre Kreise und verlor nur
eine einzige Partie. Sie war auch die einzige Spielerin ohne ein einziges Remis. Marta verliert
gegen Elli und 10 Runden vor Schluss liegt sie nur auf Platz 3 hinter Melamed. Da auch Melamed,
gegen die ich auch ein Remis schaffte, in den letzten Runden etwas schwächelt, liegt Marta vor der
Schlussrunde wieder einen halben Punkt vor ihr. Nur ein Sieg sicherte ihr den 2. Platz, den sie auch
einfuhr. Ich konnte am 2. Turniertag noch einmal 9 Punkte holen und bin insgesamt mit meinem
Abschneiden als 16. recht zufrieden.

Für meinen Geschmack gab es ein paar zu viele Partien, die, insbesondere in schlechterer Stellung, über die Zeit gehoben wurden. Da wäre ein Umdenken in Richtung Bonus-Bedenkzeit lohnenswert.
Aber es gab auch viele Partien, wo bei genügend Sekunden Restbedenkzeit der Gegnerin dieser
fairerweise die Hand zum Sieg gereicht wurde. Einziger Streitfall war ein unmöglicher Zug in einer
Pattstellung. Nach heftiger Diskussion sahen beide Seiten ein, dass es nur Remis geben kann.

Wertschätzung erhielt das Turnier durch Besuche wie die des ehemaligen Geschäftsführers des
DSB, Horst Metzing, dem Präsidenten des Berliner Schachverbands, Carsten Schmidt und dem
DSB-Frauenreferenten, Dan-Peter Poetke. Auch die Siegerehrung, zu der alle Spielerinnen noch
anwesend waren, fand einen würdigen Rahmen; es gab einen wunderschönen Blumenstrauß für die
Siegerin und die Organisatorin Stefanie Schulz, sowie Urkunden für alle, bei deren Gestaltung
meine Tochter mithelfen durfte. Interessant war noch die Ankündigung, das Turnier für eine
Auswertung von Blitz-ELO-Zahlen einzureichen. Das ist inzwischen auch geschehen, aber
offensichtlich kann die FIDE nur 38 Runden abbilden…

Einen Bericht vom Veranstalter findet man hier:
http://www.schachbund.de/id-2013-411/articles/deutsche-meisterschaft-der-frauen-im-blitzschach-
2013.html
Novum war sicherlich auch der Live-Ticker (inkl. Fotogalerie), der von Frank Hoppe, Webmaster
des DSB, vorbildlich aktuell geführt wurde. Auf dem Foto vom 1. Tag sind Marta und ich im
jeweils pinkfarbenen Oberteil zu erkennen .

Einziger Wehrmutstropfen des gesamten Wochenendes war dann die Rückfahrt. Nachdem ich auf
dem Berliner Ring in eine Radarfalle tappte, stand ich 5 Minuten später im Stau. Nach 45 Minuten
waren wir 5 km näher an die A24 gerückt. Ich schaffte es noch, in Oberkrämer abzufahren,
nachdem ich im Radio das Ausmaß des Dilemmas hörte. Aber das war auch nicht viel besser. Der
Weg über Kremmen wurde gen Nordosten umgeleitet, dabei wollte ich doch nach Nordwesten.
Kurz vorm Tierpark Germendorf standen wir mitten im Wald wieder im Stau. Entschädigung gab es
unterwegs durch so malerische Ortsnamen wie Verlorenort oder Orion …

Britta Leib

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